Geschichte
Die Chronik der Gemeinde St. Peter wurde im Jahr 2000 von Herrn Adolf M. Hirn verfasst. Als wichtige Ereignisse nach dem Ende der vorliegenden Chronik seien genannt:
- 2008 Arul Lourdu folgt als Leiter der Seelsorgeeinheit Leimen-Gauangelloch-Nußloch auf Johannes Balbach
- 2008 Renovierung des Chorraums der Kirche
- 2010 Restaurierung der Orgel
- 2011 Vereinigung der Seelsorgeeinheiten Leimen-Gauangelloch-Nußloch und Sandhausen-St. Ilgen zur Seelsorgeeinheit Leimen-Nußloch-Sandhausen
Chronik der katholischen Kirchengemeinde St. Peter, Gauangelloch
Von der Mutterkirche zu Angellach zur Kapelle über dem Schlosskeller
Eine Kirche im heutigen Gauangelloch findet bereits in einer Urkunde des Propstes vom Stift St. Paul in Worms aus dem Jahre 1020 Erwähnung. Aus einem Vertrag zwischen Dechant sowie Kapitel des Stifts und dem Chorherrn Heinrich Span von 1289 geht hervor, daß die Kirche zu dieser Zeit zum Bistum Worms gehörte und als „Pfarrkirche zu Angellach" von Probst Gerhard, einem geborenen Raugrafen, dem Stift schon im Jahr 1270 zugewendet wurde. Sie war eine „Mutterkirche", zu der Schatthausen, Gaiberg und Hilsbach (Waldhilsbach) gehörten.
Die ursprüngliche Kirche St. Peter befand sich am Ort der heutigen evangelischen Kirche. Die Kirche muss sehr klein gewesen sein; erst im 13. Oder 14. Jahrhundert wurde ein bescheidenes Langhaus gebaut. Nach dem Zinsbuch von 1369 hatte „der Pfarrer von Angelachen 52 Morgen Äcker und 2 ½ Morgen Wiesen. Davon gibt er minem Herrn das Drittel, was Frucht druf wachset". Laut dem Wormser Synodalbuch von 1496 unterstand die Kirche damals dem Waibstadter Landkapitel. Der „Kirchensatz" gehörte dem Stift St. Paul in Worms und später der Bruderschaft Unserer Lieben Frau (Schlossbergbruderschaft) in Heidelberg. Er muß aber bald an die von Bettendorf gekommen sein, da 1498 Dechant und Kapitel des Wormser Stifts gegen Philipp von Bettendorf wegen einiger Meinungsverschiedenheiten (Gerechtigkeiten) klagten.
Als Martin Luther seine Lehre verkündete und er selbst 1518 nach Heidelberg kam, wandten sich viele in der Gegend ansässige Edelleute dem Protestantismus zu und bereits 1522 wurde in vielen Orten die neue Lehre verkündet. Die Gauangellocher Familie von Bettendorf gehörte mit zu jenen, welche die lutherische Lehre sehr früh annahmen. Ihrem Beispiel folgte der Großteil der damaligen Ortseinwohner. Als infolge der Reformation die Pfarrkirche und ihr Vermögen an die Protestanten überging, kamen die treu gebliebenen Katholiken von Gauangelloch, Ochsenbach, Maisbach und Schatthausen zur Pfarrei Zuzenhausen (1779 zur neu errichteten Pfarrei Mauer), jene von Gaiberg und Waldhilsbach zur Pfarrei Neckargemünd.
Über die unmittelbare Folgezeit ist nichts bekannt. Aus dem 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) wird berichtet, daß Gauangelloch sehr gelitten habe. 1622 wurde Schloß und Dorf durch Truppen des kaiserlichen Feldherrn Tilly verwüstet; die Einwohner flüchteten oder wurden getötet und ein Jahrzehnt lang wohnte kein Mensch mehr hier. Nachdem endlich Ruhe eingekehrt war, erholte sich der Ort so langsam, daß 1651 „nur 4 Häuser und 10 arme Leute da waren".
1741 gründeten treu gebliebene und zugewanderte Katholiken für 5 Kinder aus Gauangelloch und 10 aus Schatthausen eine katholische Schule, deren Lehrer an Sonn- und Feiertagen nachmittags im Schulraum Andachten hielt. 1743 lebten in Gauangelloch insgesamt 48 Familien. Im Februar 1799 [1] wandten sich „Euer Hochfreyherrn Gnaden unterthänig gehorsamste katholisch und reformierte Religions-Verwandte zu Angelloch" an Friedrich Freiherr von Bettendorf mit der Bitte, ihnen im herrschaftlichen Schloß ein „geräumiges" Zimmer für die Abhaltung der Andachten zur Verfügung zu stellen. Dieser Bitte wurde entsprochen und das Wormser Generalvikariat genehmigte hierauf mit Schreiben vom 7. August 1799 [2] die Abhaltung von Gottesdiensten im Bettendorfschen Schloß. Einer 1801 vorgetragenen Bitte um Genehmigung einer Fronleichnamsprozession wurde von Worms nicht entsprochen; die Katholiken sollten an der Prozession im Pfarrort Mauer teilnehmen.
Als das Schloss 1823 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde, erbauten sich die Katholiken aus seinen Trümmern eine Kapelle, die 1824 eingeweiht wurde und bis 1903 der immer größer werdenden Gemeinde als Gotteshaus diente. Dekan Martin aus Sinsheim berichtete über die Kapellenweihe, die er am 19. August 1824 vornahm: „Der fromme Eifer der guten Gemeinde bei dieser Feier, bei der ich Predigt und Hochamt hielt, war unbeschreiblich. Mehrere Tage vorher hatte die Jugend das Innere der Kapelle mit geschmackvollen Blumengehängen verziert und am Tage selbst war ein Teil der jungen Bürgerschaft unter dem Gewehr und gab während des Hochamtes mehrere Salven ab".
Von der Kuratie zur Pfarrei; die Pfarrkirche entsteht
In einer Eingabe vom 4. Dezember 1872 an das Erzbischöfliche Ordinariat regten die Pfarrgeistlichen von Mauer und Neckargemünd mit eingehender Begründung an, es möchte Vorkehrung getroffen werde, daß in nächster Zukunft ein Kurat in Gauangelloch angestellt werden könne, der die Seelsorge besonders in Gauangelloch und Gaiberg wirksamer wahrnehmen sollte, wie es bisher den Geistlichen von Mauer und Neckargemünd möglich war. Das Erzbischöfliche Kapitelsvikariat genehmigte daraufhin mit Erlaß vom 12. Dezember 1872 die Errichtung einer Kuratie und forderte die Katholiken in den betreffenden Orten auf, „auch ihrerseits zur Erreichung der geordneten Seelsorge nach Kräften beizutragen". Gauangelloch war nun Pfarrgemeinde, mit den Filialen Gaiberg, Maisbach, Ochsenbach und Schatthausen.
Mit der ansehnlichen Gabe von 1.000 Gulden, welche der Bonifatiusverein der Erzdiözese spendete, wurde, mit Genehmigung des Großherzoglichen Badischen Ministeriums des Inneren, durch Entschließung des Kapitelsvikariats vom 29. Januar 1874 ein Kuratiepfründefond für Gauangelloch und Gaiberg gegründet. Dekan Wilhelm Baden, der von 1841 bis 1847 Pfarrer in Mauer war, bestimmte 1893 ein Vermächtnis von 5.000 Mark zur Gründung einer Pfarrei Gauangelloch-Schatthausen. Mit dieser Zuwendung wurde der Pfarrfond für Gauangelloch-Schatthausen gebildet, dem das Großherzogliche Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterricht sowie das Erzbischöfliche Ordinariat im April 1893 ihre Genehmigung und Zustimmung erteilten. Im Jahre 1901 sind beide Fonds zum „Pfarrfond für die Katholische Kirchengemeinde Gauangelloch" vereint worden, nachdem Staat und Kirchenobrigkeit hierzu ihr Einverständnis erklärt hatten. Aus einem Beitrag der Pfälzer Katholischen Kirchenschaffnei in Höhe von 4.000 Mark wurde bereits 1898 der „Pfarrhausbau- und Unterhaltungsfond (Pfarrhausbaufond)" gegründet.
Nachdem auf die von Freiherr Ludwig von Bettendorf angebotene Schenkung eines Grundstücks am unteren Ende von Gauangelloch in Richtung Schatthausen verzichtet wurde, „weil sonst die Gaiberger nicht zum Gottesdienst gekommen wären (wohl wegen der weiten Entfernung)", konnte im Jahr 1901 nach längeren Verhandlungen in der Ortsmitte ein Bauplatz im Flächeninhalt von 17 Ar 58 qm zum Preis von 6.270 Mark erworben werden. 1909 wurde, zur Vergrößerung des Platzes, weiteres Gelände von 4 Ar 85 qm für 485 Mark hinzugekauft.
Im Frühjahr 1902 wurde mit dem Bau von Kirche und Pfarrhaus begonnen; die feierliche Grundsteinlegung für das Gotteshaus erfolgte am 27. Juli [3]. Beide Bauwerke entstanden nach Plänen des Erzbischöflichen Bauamts Heidelberg im spätgotischen Stil aus rotem Sandstein mit einem Kostenaufwand von 63.500 Mark bzw. 21.500 Mark. Die erforderlichen Mittel flossen zusammen aus Überschüssen der Pfälzer katholischen Kirchenschaffnei in Heidelberg, Schenkungen des Bonifatiusvereins und freiwilligen Spenden. In der Kostensumme für die Kirche war auch der Aufwand für den Hochaltar (3.000 Mark), die Kanzel (1.000 Mark) und einen Beichtstuhl (250 Mark) enthalten. Das 1903 beschaffte Geläute mit 3 Glocken in den Tönen as, e und es, mit einem Gewicht von 450, 230 und 140 kg, kostete insgesamt 2.286 Mark. Während die kleinste Glocke von der Gauangellocher Familie Kast gestiftet wurde, kann die mit Schreiben des Katholischen Stiftungsrats vom 6. März 1903 [4] erbetene und schließlich auch gewährte persönliche Unterstützung des Großherzogs [5] in Form einer „Beihilfe von 100 Mark" nur als Almosen bezeichnet werden. Die von der Waldkircher Firma Kiene gelieferte Orgel mit 12 Registern kostete 3.600 Mark; ihre Bezahlung übernahm der Bonifatiusverein. Im Rahmen der Metallsammlung „für Kriegsbedarf" im ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) mußten 1917 [6] die große und kleine Glocke sowie die Orgelprospektpfeifen aus Zinn abgenommen bzw. abmontiert und abgeliefert werden. Die beiden bemerkenswerten Chorfenster wurden von Pfarrer Gramling aus Mauer (Thomas von Aquin) und seiner Schwester Antonia (Antonius von Padua) gestiftet. Die Außenfassade über dem Haupteingang ziert seit 1910 eine 2,20 m hohe Statue des Kirchenpatrons St. Peter aus weißem französischem Muschelkalk.
Die Anschaffungskosten der erst 1913 installierten elektrischen Beleuchtung wurden vom Cäcilienverein getragen. Im Dezember 1903 konnte der erste Gottesdienst in der Kirche gehalten werden und am 2. Juni 1908 wurde die „Pfarrkirche St. Peter Gauangelloch" durch den damaligen Erzbischof Dr. Thomas Nörber eingeweiht. Im Dezember 1910 zählte die Pfarrkuratie (Katholische Kirchengemeinde) Gauangelloch insgesamt 688 Katholiken (Gauangelloch 210, Gaiberg 258, Ochsenbach 5, Schatthausen 215).
Mit Urkunde vom 7. Januar 1913 erhob Erzbischof Dr. Thomas Nörber die seitherige Kuratie Gauangelloch zur Pfarrei. Es folgte am 5. Mai dieses Jahres die Ernennung des Kuraten Alois Schwing zum Pfarrer. Schwing war ein besonders eifriger Seelsorger, der unter anderem bereits seit 1909 versuchte, von Freiburg die Erlaubnis zur Abhaltung von 14-täglichen Sonntagsgottesdiensten in den Filialen Gaiberg und Schatthausen zu erlangen [7]. Sein Bitten wurde trotz teilweise drastischer Formulierungen („... Die Pfälzer sind keine Schwarzwälder. Ein 40-Minutenweg ist Pfälzern, namentlich vom Schlage der Gaiberger, zuviel zugemutet .... infolge des unheilvollen Einflusses der Sozialdemokratie wird es eher noch schlimmer werden ...") und mehrmaliger Wiederholung zunächst nicht erhört. Erst im Juli 1919 erhielt er endlich die ersehnte Erlaubnis [8].
Zwischen zwei Kriegen
Vom 7. Bis 14. März 1920 wurde in Gauangelloch und in den beiden Filialen Gaiberg und Schatthausen durch drei Franziskanerpater eine Volksmission abgehalten [9]. Zu dieser Zeit herrschte eine Grippeepidemie, die zahlreiche Menschenleben forderte. Zu ihren Opfern zählte schließlich auch Pfarrer Schwing, der am 15. März, also einen Tag nach dem Ende der Mission, verstarb. Zunächst blieben die Patres da und übernahmen die Seelsorge. Ihnen folgte vorübergehend Vikar Andreas Strobel, bis der neu ernannte Pfarrer Philipp Hartmann am 6. Mai 1920 sein Amt in Gauangelloch antrat. Aus der Inflationszeit ist bekannt, daß Kollekten im Jahr 1923 insgesamt 9 Billionen, 2 Milliarden, 345 Millionen, 177 Tausend und 346 Mark einbrachten. Der Klingenbeutel wurde in einem Monat des Jahres 1923, auf dem Höhepunkt der Inflation, mit 49 Billionen und 250 Milliarden Mark gefüllt. Nach dem Ende der Inflation betrug das kirchliche Anfangsvermögen ganze 5 (fünf) Reichsmark.
Mit Erlass vom 25. August 1921 genehmigte das Erzbischöfliche Ordinariat, „daß für die Pfarrkirche zu Gauangelloch zu der noch vorhandenen Glocke eine weitere Bronzeglocke mit dem Ton as und einem Gewicht von 440 kg nach dem Liefervertrag mit der Firma Grüninger Söhne in Villingen vom 5. Juli 1921 beschafft wird, wenn die Kosten aus dem Erlös für die (1917) abgegebenen Glocken, und soweit dieser nicht ausreicht, aus milden Gaben bestritten werden". Nach langwierigen und schließlich durch einen Vergleich ergebnislos beendeten Verhandlungen mit der Glockengießerei, bei denen es hinsichtlich Preis und Liefertermin zu erheblichen Differenzen gekommen war, wurde 1925 die Karlsruher Glockengießerei Gebr. Barchert mit der Lieferung von zwei Glocken für die Pfarrkirche beauftragt. Bereits am 6. September dieses Jahres konnten in Gauangelloch die beiden Glocken (as-Glocke mit 565 kg, es-Glocke mit 150 kg, letztere wiederum von Familie Kast gestiftet), zusammen mit zwei kleineren Glocken für Gaiberg und einer für Schatthausen, geweiht werden.
Berichte über die alljährlich erfolgten Kirchenvisitationen aus jener Zeit (hier 1926 und 1932) bestätigen einen allgemein befriedigenden „Befund". In dem von 1932 heißt es allerdings auch: „Die Pastoration in der Diasporapfarrei ist nicht leicht. Verderbliche Einflüsse üben der Protestantismus (!), der Sozialismus und Nationalsozialismus aus. Zu beklagen sind die frühen Bekanntschaften, die vielen gemischten Ehen - 66, davon 38 mit a-katholischer Kindererziehung - und die herrschende Vergnügungssucht der Jugend" [10]. Am 1. April 1937 wurde Maisbach nach Nußloch eingemeindet. Da die Mitbetreuung des Weilers für Pfarrer Hartmann eine große Belastung bedeutete, versuchte er die Lostrennung vom Pfarrbezirk Gauangelloch zu erreichen. Nachdem die Stiftungsräte von Nußloch und auch Baiertal sich weigerten, ihre Zustimmung zu erteilen, blieb alles beim Alten.
Am 21. März 1937 wurde auch von der Kanzel der Gauangellocher Pfarrkirche St. Peter das berühmt gewordene Rundschreiben von Papst Pius XI. über die Lage der katholischen Kirche im Deutschen Reich („Mit brennender Sorge ...") verlesen. Darin hieß es bereits ziemlich am Anfang: „Wenn der von Uns in lauterer Absicht in die deutsche Erde gesenkte Friedensbaum (gemeint ist das Konkordat zwischen dem Vatikan und dem Deutschen Reich vom 20. Juli 1933) nicht die Früchte gezeitigt hat, die Wir im Interesse Eures Volkes ersehnen, dann wird niemand in der weiten Welt, der Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu hören, heute noch sagen können, die Schuld liege auf Seiten der Kirche und ihres Oberhauptes. Der Anschauungsunterricht der vergangenen Jahre klärt die Verantwortlichkeiten. Er enthüllt Machenschaften, die von Anfang an kein anderes Ziel kannten als den Vernichtungskampf".
Aus einer Rückschau des Erzbischöflichen Ordinariats vom 19. Juli 1939 auf den Verlauf der in diesem Jahr durchgeführten Fronleichnamsprozessionen geht unter anderem hervor, daß die Flaggen in kirchlichen Farben an Privathäusern nicht gezeigt werden durften, in verschiedenen Pfarreien auf Mitglieder von Musikkapellen ein starker Druck ausgeübt wurde, um sie am Spielen bei den Prozessionen zu hindern, und Prozessionen zum Teil sogar ganz verboten wurden [11]. Nach einem strahlenden Sommer verfinsterte sich am 1. September 1939 der Himmel über Deutschland und Europa; der Zweite Weltkrieg hatte begonnen.
Zweiter Weltkrieg und unmittelbare Nachkriegszeit
Vom unmittelbaren Kriegsgeschehen war in ganz Deutschland zunächst kaum etwas zu spüren. Im Südwesten erschienen lediglich vereinzelt französische Flugzeuge am Himmel, die aber kaum Schaden anrichteten. Die militärischen Erfolge 1939 in Polen und 1940 in Frankreich faszinierten zum Teil auch jene, die dem Nationalsozialismus eher skeptisch gegenüberstanden. Der verbreitete Optimismus sollte nicht lange anhalten.
Bereits am 15. März 1940 ergingt von staatlicher Seite eine „Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes über die Erfassung von Nichteisenmetallen", nach der die Glocken aus Bronze anzumelden und abzuliefern waren. Die Gewährung von Ersatzmetall und eine angemessene Entschädigung des Wertes der Glocken nach Kriegsende wurde zugesichert. Die Glocken der Pfarrkirche St. Peter wurden am 5. Mai 1940 angemeldet [12]. Abgeliefert werden mußten schließlich im Januar 1942 die beiden größeren Glocken und eine weitere Glocke aus der Kapelle in Gaiberg. 1941 konnte keine Fronleichnamsprozession mehr stattfinden. Als Gründe nannte Pfarrer Hartmann in einem Aktenvermerk die Abwesenheit der meisten jungen Männer wegen Einberufung zum Kriegsdienst, den Mangel an Sängern beim Kirchenchor und, so wörtlich: „... Zudem wurde mit Rücksicht auf die Fliegergefahr vom Landratsamt bzw. der Gestapo die Prozession für Heidelberg und Umgebung zuerst genehmigt, dann verboten, nachher wieder genehmigt und schließlich wieder verboten".
Im übrigen wurde nunmehr die feindselige Haltung von NS-Staat und -Partei gegenüber den Kirchen weitgehend im Klartext formuliert und entsprechend gehandelt. So war es Geistlichen u.a. verboten worden, Privatunterricht, der zumeist zum Eintritt in eine höhere Klasse eines Gymnasiums verhelfen sollte, zu erteilen. In einer vom stellvertretenden Gauleiter von Württemberg herausgegebenen Broschüre mit dem Titel „Das Reich als Aufgabe" war zu lesen: „... Wir müssen immer wieder mit riesenhafter Geduld und mit eben solcher Vorsicht dahin arbeiten, daß die Menschen unseres Reiches endlich das natürliche und damit göttliche Vorrecht der Volkszugehörigkeit gegenüber der willkürlich wählbaren Zugehörigkeit zu einer Konfession in seiner wahrhaften Bedeutung erkennen ..."
Am 29. November 1941 beantwortete Erzbischof Conrad Gröber ein Schreiben des Badischen Ministers des Kultus und Unterricht, in dem dieser den Bischof als „gewissenloses Element" bezeichnet und ihm und seinem Klerus eine staatsfeindliche Haltung vorgeworfen hatte. Die Stellungnahme war klar, deutlich und überaus mutig formuliert, wie auch folgende Passage dokumentiert: „... Und wenn man mich deswegen, wie es bisher des öfteren schon der Fall war, mangels besserer und anständigerer Waffen verleumderisch entehrt und entehren läßt, so wird mich auch das in meiner Haltung nicht beirren. Im Gegenteil. Auch vor Strafen, ja selbst vor der Todesstrafe, darf ich als katholischer Bischof nicht zurückschrecken" [13].
Nachdem sich Pfarrer Philipp Hartmann bereits 1942 versetzen lassen wollte, wurde ihm dieser Wunsch zum 15. April 1943 erfüllt. Er erhielt auf diesen Tag die Zuweisung der Pfarrei Heidelberg-Wieblingen, während gleichzeitig Pfarrvikar Kilian Frei seinen Einzug als Pfarrverweser in Gauangelloch hielt. Er selbst erinnerte sich: „Am 15. April hielt ich meinen Einzug. Unterwegs schwere Hindernisse auf Fahrt durch die dauernde Fliegergefahr ... Unter dem Brummen der feindlichen Bombengeschwader packten wir aus und richteten uns einigermaßen ein." Wie schon 1917 sollten nunmehr wiederum auch Teile der Kirchenorgeln in die Metallsammlung „zur Sicherung der Rüstungsreserve für unsere Wehrmacht" mit einbezogen werden. Der 1944 ausgegebene Meldebogen wurde auf Ersuchen von Pfarrverweser Frei von der Karlsruher Orgelbaufirma Hess ausgefüllt und mit Begleitschreiben vom 12. Juni 1944 an diesen zurückgegeben. Das Schreiben endete mit folgendem Wunsch: „Hoffentlich geht der Krieg über der Metallaktion, respektive deren Vorbereitung zu Ende, damit die Orgeln verschont bleiben." Angesichts der damaligen Kriegslage hätte dieser Satz, falls der Brief von der Zensur geöffnet worden wäre, für Firma und Pfarrverweser zu Repressalien führen können. Für die Pfarrei ging 1944 und damit das fünfte volle Kriegsjahr am 31. Dezember mit einer Jahresschlussandacht in der verdunkelten Kirche zu Ende.
Es folgten noch drei weitere schwere Monate, bis Gauangelloch, noch weit vor der allgemeinen Kapitulation der Wehrmacht (8. Mai 1945), endlich vom Krieg erlöst war. Pfarrverweser Frei berichtet in seinen Aufzeichnungen wie folgt: „Die vielen deutschen Truppen die von Westen her zurückgeflutet waren, waffenlos und hoffnungslos, hatten sich auch hier einquartiert und allerhand „requiriert" und „organisiert". In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag (29./30. März 1945) waren sie hier abgezogen so daß der Ort frei war von Truppen. Karsamstag, morgens 10.00 Uhr, bekam Gauangelloch Artilleriefeuer. Heulend schlugen die Granaten ein in die evangelische Pfarrkirche und in einige Häuser. Rechts der Pfarrkirche ein Volltreffer in eine Scheune. Durch Splitter und Luftdruck kostete es an der rechten Seite der Kirche mehrere kleine Fensterscheiben, die rechte Seitentüre wurde durchschlagen und aufgerissen. Viel Glück im Unglück hatte der Chor der Kirche; etwa zehn Meter neben der Sakristei schlug eine schwere Granate in einen Birnbaum und mehrere kleine ein. Das rechte Chorfenster wurde eingedrückt, das linke beschädigt. In der Sakristei wurde die Türe aufgerissen, (das) Fenster eingedrückt. Durch das Granatfeuer war die Bevölkerung in Angst und verbrachte die Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag meist (überwiegend) im Keller. Am Ostersonntag (1. April) standen amerikanische Streitkräfte, Panzerspähwagen und Fahrzeuge unmittelbar vor dem Dorf. Zwei Fahrzeuge waren durch Minen, die deutsche Truppen gelegt hatten, in die Luft geflogen. In der Luft stand fast still der Artilleriebeobachter (amerikanisches Flugzeug). An ein Läuten der Glocke und allgemeinen Festtagsgottesdienst war nicht zu denken. Ich las daher in der Morgenfrühe um 7.00 Uhr eine stille Messe, an der nur die im Pfarrhaus weilenden Personen teilnahmen. Gegen 10.00 Uhr kamen dann Spähwagen mit aufgesessener Infanterie und schwere Panzer schußbereit langsam ins Dorf. An den Fenstern hingen weiße Leinentücher. Alle Häuser wurden durchsucht, auch zuerst der Kirchturm und die Kirche nach eventuell versteckten (deutschen) Soldaten. Alles verlief ruhig und gegen 4 Uhr (16 Uhr nachmittags) zogen die amerikanischen Truppen weiter, Richtung Schatthausen. Ein auf 6 Uhr abends inzwischen angesagter Gottesdienst mußte aber ausfallen, da ½ Stunde vorher die Militäranordnung verkündet wurde, wonach niemand nach 6 Uhr auf der Straße sein durfte. Am Ostermontag morgen erklärten mir ein paar wachhabende Amis, ich könne ruhig läuten und Gottesdienst halten, was auch geschah. Wie ich beobachtete, waren mehrere Amis während des kurzen Aufenthalts in unserer Kirche, machten andächtige Kniebeugen und beteten mit einer wirklichen Andacht. Nur schade, daß ich kein Englisch konnte."
Da zunächst niemand seinen gegenwärtigen Wohnort verlassen durfte, konnte am Weißen Sonntag 1945 in der Pfarrkirche St. Peter nur Gauangellocher zugegen sein. Doch auch der Mesner fehlt. Hierzu noch einmal Pfarrverweser Frei: „Unser Mesner, Herr Heinrich Kast, war am Tage vorher, als er Verwandte in Hoffenheim besuchen wollte, samt seinem Schwiegersohn von Amis verhaftet und abgeführt worden; niemand wußte wohin. Es mußte so ohne ihn gehen. Später erfuhren wir, daß er bis Südfrankreich kam und nach langem Warten erst konnte er wieder heimkommen (am 30. November 1945)."
Langsam normalisierte sich das Leben im Dorf und es war wieder möglich, regelmäßig Gottesdienst zu halten. Das Fest Christi Himmelfahrt erkannte die amerikanische Militärregierung als gesetzlichen Feiertag an und so konnte „eine sehr große Flurprozession stattfinden, an der sehr viele Gläubige teilnahmen". Mit Wirkung vom 21. März 1946 erfolgte die Ernennung von Pfarrverweser Frei zum Pfarrer der Pfarrei St. Peter; seine feierliche Investitur fand am 19. Mai statt. Ebenfalls im März 1946 wurde, nach Rückkehr von Hauptlehrer Wilhelm Schuhmacher, der Cäcilienverein neu gegründet und der Kirchenchor konnte seine Gesangsproben wieder aufnehmen. Wegen des Mangels an Sängern war während des Krieges ein Chorgesang unmöglich geworden. Im Zuge der Ausweisung von über 12 Millionen Deutschen aus ost- und südosteuropäischen Ländern kamen im Frühjahr 1946 auch die ersten Heimatvertriebenen nach Gauangelloch. Da die neuen Mitbürger überwiegend Katholiken waren, ergab sich bei der ersten Volkszählung nach dem Krieg (29. Oktober 1946) für Gauangelloch mit Ochsenbach im Blick auf die Konfessionszugehörigkeit ein völlig verändertes Bild.
| Einwohner | katholisch | evangelisch | sonstige | |
| 1939 | 669 | 198 | 462 | 9 |
| 1946 | 951 | 429 | 512 | 10 |
Die allgemeine Lage hatte sich unter amerikanischer Verwaltung inzwischen soweit stabilisiert, daß das öffentliche Leben wieder funktionierte und vor allem auch die Kirchen ihren zunehmenden Aufgaben gerecht werden konnten. Wie immer in Notzeiten oder unmittelbar danach suchten und fanden viele Menschen Zuflucht in ihrer Religion oder dankten Gott im Gebet für ihre Rettung aus Not und Gefahr.
Von Kilian Frei zu Pfarrer Urban Köhler
Die Jahre 1947 bis einschließlich 1949 verliefen für die Pfarrgemeinde wenig ereignisreich. Zur Währungsreform am 20. Juni 1948 bemerkte Pfarrer Frei: „Wieder alles Vermögen kaputt. Alles abgewertet 1 : 10; 50 % sind davon freigegeben; 50 % auf Festkonto. Und von diesem Tag an gab es wieder alles zu kaufen." Am 31. Oktober 1948, dem Christkönigsfest, erfolgte im Rahmen einer Bannerweihe die Aufnahme der weiblichen Pfarrjugend in die Katholische Jugend und die Verleihung des Bundesabzeichens. 1950 wurden notwendig gewordene Reparaturen am Kirchendach und -turm durchgeführt.
Endlich konnten auch neue Glocken beschafft werden, nachdem alle Hoffnungen auf ein Wiederauffinden der im Januar 1942 abgelieferten beiden Glocken aufgegeben waren. Nachdem die Finanzierung bereits durch Rücklagen, Spenden und Sammlungen gesichert war, genehmigte das Erzbischöfliche Ordinariat mit Erlass vom 22. März 1950 die Anschaffung von drei neuen Bronzeglocken in der Tonfolge b' - des' - f' bei der Heidelberger Glockengießerei Schilling zu dem bereits errechneten Preis von 4.045,10 DM [14]. Um ein einheitliches Geläute zu erreichen, hatte sich der Firmeninhaber sogar dazu bereit erklärt, die noch vorhandene Glocke kostenlos neu zu gießen. Der Glockenguß erfolgte am 3. November 1950. Hierzu Pfarrer Frei: „Es war packend, wie nach einem Gebet (Vaterunser und Ave Maria) des damals noch evangelischen Glockengießers, Herrn Schilling, und nach dem Segen des Pfarrers Frei über das Metall im Ofen der Ruf kam: In Gottes Namen stoßt den Zapfen aus. Herr Schilling kniete vor dem Ofen, während ein Arbeiter die Öffnung freilegte und dann in zischendem Strom sich das Metall in die Formen ergoß." Nach einem Stiftungsratsbeschluss vom 4. September 1950 erhielten die Glocken folgende Inschriften:
| b' | Christ-Königsglocke | JESUS KÖNIG ALLER ZEIT HOCHGELOBT IN EWIGKEIT |
| des' | Marienglocke | KÖNIGIN DES FRIEDENS BITTE FÜR UNS (Madonnenbild) |
| es' | Josefsglocke | HEILIGER JOSEF BITTE FÜR UNS (Josefsbild) |
| f' | Wendelinusglocke | ST. WENDELIN SCHÜTZ HEIM UND HERD (Wendelinusbild) |
Am 25. November konnten die Glocken zusammen mit zwei weiteren, je eine für Gaiberg und Schatthausen, feierlich eingeholt werden. Am Ortseingang von einem LKW auf bereitgestellten Wagenrollen geladen, begleitete sie ein großer Festzug zur Pfarrkirche St. Peter, vor der sie von Ehrengästen, Kirchenchören, Gesangvereinen und Musik erwartet wurden. Die Glockenweihe nahm am 26. November Abt Albert Ohlmeyer von der Abtei Neuburg (Heidelberg-Ziegelhausen) vor. Zur späteren Anbringung der Glocken im Turm berichtet Pfarrer Frei: „Die Montage der Glocken war etwas schwierig und leider hat der gesandte Monteur sich nicht viel Mühe gemacht. Aber unsere Männer und Jungmannen, Herr Gänzler, Vorstand vom Cäcilienverein, Herr Dussel, Herbert und Herr Berberich, Paul, haben die Sache gemeistert." Erstmals sollten die vier Glocken die Mitternachtsmesse am 24. Dezember 1950 feierlich einläuten.
Ein besonderer Festtag für die Pfarrgemeinde war 1951 die Firmung in der Pfarrkirche am 24. April durch Erzbischof Dr. Wendelin Rauch, mit insgesamt 182 Firmanden aus Gauangelloch, Ochsenbach, Gaiberg und Schatthausen. Im Februar 1952 wurde auf Initiative von Pfarrer Frei eine Werbeaktion zur Neugründung des „Christlichen Müttervereins", der ursprünglich bereit 1913 als „Sodalität der christlichen Mütter" durch das Erzbischöfliche Ordinariat errichtet worden war, durchgeführt [15]. Von insgesamt 96 angesprochenen Frauen erklärten 81 ihre Bereitschaft, dem Verein beizutreten. Am Palmsonntag erfolgte dann die feierliche Aufnahme der Mitglieder und die Wahl der Vorstandschaft. Höhepunkt des Jahres 1952 war für die Pfarrgemeinde das Patrozinium, in dessen Rahmen die 50. Wiederkehr der Grundsteinlegung für die Pfarrkirche St. Peter gefeiert wurde. Vom 6. Bis 16. November fand in Gauangelloch erstmals seit 1938 wieder eine Volksmission statt. Sie wurde, wie anschließend auch in Gaiberg und Schatthausen, von Franziskanerpatres durchgeführt. Die Kirchengemeinde zählte Anfang 1952 insgesamt 1.534 Katholiken (Gauangelloch mit Ochsenbach 446, davon 230 Heimatvertriebene; Gaiberg 508/200, Schatthausen 536/250, Maisbach 44/43 (!). Mit Wirkung vom 1. April 1952 wurde der bereits seit 1937 als Ortsteil zu Nußloch gehörende Weiler Maisbach der Pfarrei Nußloch zugeteilt. Von Gauangellocher Seite war vorher bereits lange Jahre versucht worden, die Umpfarrung zu erreichen. 1954 errichteten die im „Bund vertriebener Deutscher" zusammengeschlossenen Heimatvertriebenen auf dem Gauangellocher Friedhof ein „Ostlandkreuz", dessen Weihe Pfarrer Frei am 29. August im Anschluß an eine Feldmesse in feierlichem Rahmen vornahm. 1955 erhielt die Pfarrkirche dank großzügiger Spenden der Gemeindemitglieder eine elektrische Läuteanlage. Im darauf folgenden Jahr 1956 konnte das 25-jährige Mesner-Jubiläum von Heinrich Kast und das ebenfalls 25-jährige Wirken von Herrn Wilhelm Schuhmacher als Dirigent des Kirchenchors gefeiert werden. Am 6. November 1957 verließ Pfarrer Kilian Frei Gauangelloch, um eine Pfarrei in seiner näheren Heimat zu übernehmen. Am gleichen Tag übernahm Pfarrer Alexander Wickenhäuser die Seelsorge für die Pfarrgemeinde.
Es folgten Jahre ohne besondere Ereignisse, in denen jedoch das Gemeindeleben gut gedieh. Im Frühjahr 1963 wurde dann erstmals eine Regional- bzw. Gebietsmission mit „Häuserapostolat", für das geeignete Gemeindemitglieder als „Laienapostel" eingesetzt worden waren, für Heidelberg und sein Einzugsgebiet in insgesamt 22 Pfarreien durchgeführt. In Gauangelloch und seinen beiden Filialen missionierten zwei Herz-Jesu-Priester. Nachdem die Pfarrkirche St. Peter seit ihrer Erbauung noch keine Innenrenovation erfahren hatte, waren entsprechende Instandsetzungsarbeiten dringend notwendig geworden. Hierzu übergab das Erzbischöfliche Bauamt Heidelberg Anfang 1963 dem Erzbischöflichen Ordinariat einen detaillierten Kostenvoranschlag über insgesamt 40.000 DM, zuzüglich 10.000 DM für Altargerät, Tabernakel mit Tresor, 6 Leuchter, Vortragskreuz und Ewig-Licht. In einem Anschreiben hierzu wurde dem Ordinariat auch mitgeteilt, daß beabsichtigt sei, die vorhandenen neugotischen Altaraufsätze des Hochaltars und der Seitenaltäre nicht mehr aufzustellen, was dann auch geschah. Die Krippe aus dem Hochaltar wird bis heute als Weihnachtskrippe aufgebaut. Im Rahmen der von Freiburg mit Schreiben vom 16. April 1963 genehmigten Renovation erfolgte gleichzeitig eine komplette Isolierung der Umfassungswände der Kirche gegen bauschädliche Salze und aufsteigende Feuchtigkeit. Am 5. August 1964 verabschiedete sich Pfarrer Alexander Wickenhäuser von Gauangelloch, nachdem bereits zwei Tage vorher Pfarrverweser Urban Köhler sein Amt als Nachfolger angetreten hatte. Dieser wurde mit Wirkung vom 25. März 1965 zum Pfarrer der Pfarrei St. Peter ernannt.
Renovierungen, Neuerungen und Umwälzungen
Pfarrer Urban Köhler, dem auch viel an der Entwicklung einer konfessionsübergreifenden Gemeinschaft lag, war, nicht zuletzt wegen seiner freundlichen und bescheidenen Art, bald ein allgemein beliebter und bei Nichtkatholiken ebenso angesehener Seelsorger. Er plante und organisierte bereits ab 1964 alljährlich einwöchige Omnibusfahrten, die vor allem zu bekannten Wallfahrtsorten und sehenswerten Landschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz führten. Ein großer Teil des damaligen Stiftungsrates erlebte z. B. 1968 gemeinsame Besinnungstage an der Wirkungsstätte des Einsiedlers und heutigen Schutzpatrons der Schweiz, Nikolaus von der Flüe.
Im Frühjahr 1965 waren die Glocken der Pfarrkirche St. Peter in der Sendung „Glocken läuten den Sonntag ein" zu hören, die der Süddeutsche Rundfunk damals ausstrahlte. Wenige Wochen später, am 23. Mai, fand wieder eine Firmung in Gauangelloch statt.
Im Jahr 1969 wurde, wie in der ganzen Erzdiözese Freiburg, erstmals ein Pfarrgemeinderat gewählt. In der Gesamtkirchengemeinde gaben 57 % der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Erster Pfarrgemeinderatsvorsitzender wurde Roman Zednicek aus Gauangelloch.
Die Zahl der Erstkommunikanten aus Gauangelloch, Gaiberg und Schatthausen war in diesem Jahr erstmals so groß, daß sich die Pfarrkirche als zu klein erwies. Der Gesamtpfarrgemeinderat fasste deshalb den Beschluß, die Erstkommunion künftig jeweils am Weißen Sonntag für Gauangelloch in der Pfarrkirche und am darauffolgenden Sonntag abwechselnd in einer der beiden Filialkirchen zu feiern. 1970 erfolgte die Einführung einer Bußfeier in der Fastenzeit sowie der Sonntagvorabendmesse in der Pfarrei mit der Regelung, daß die Sonntagsmesse im Wechsel mit den beiden Filialgemeinden einmal am Samstagabend und am darauffolgenden Wochenende am Sonntagmorgen stattfindet. Weiter wurde festgelegt, daß die Hl. Kommunion künftig in der Pfarrei stehend empfangen wird.
Abt Dr. Albert Ohlmeyer von der Benediktinerabtei Stift Neuburg spendete am 6. Juli des Jahres in Gauangelloch das Sakrament der Firmung.
Einen Dirigentenwechsel gab es beim Kirchenchor, dessen musikalischer Leiter Wilhelm Schuhmacher den Taktstock nach über 40-jähriger Tätigkeit an Josef Klehr weitergab.
Für 1971 vermerkte der damalige Chronist die erste ökumenische Trauung in der Pfarrkirche und den ersten ökumenischen Gottesdienst. In Indien wurde der erste Missionspriester geweiht, für den die Pfarrei die Patenschaft übernommen hatte. Ebenfalls seit 1971 arbeitet in der Kirchengemeinde ein Bildungswerk, dessen Leitung zunächst Herr Roman Zednicek übernahm.
Bei der zweiten Pfarrgemeinderatswahl, die 1973 stattfand, wurde in Gauangelloch eine Wahlbeteiligung von 62,1 % erreicht. Zum Vorsitzenden des Gesamtpfarrgemeinderates der Pfarrei wählte das Gremium wiederum Herrn Roman Zednicek. Nach Rund 70 Jahren mußte nunmehr an Kirche und Pfarrhaus auch eine dringend notwendige Außenrenovierung in luftiger Höhe durchgeführt werden. Beide Dächer sowie der Kirchturm wurden vollständig neu gedeckt und am Turm die erforderlichen Erneuerungsarbeiten am Holzwerk ausgeführt. Die hierfür notwendigen rund 200.000 DM konnten nur mit großzügiger Hilfe der Erzdiözese aufgebracht werden.
Zu Beginn des Jahres 1974 bestellte der Pfarrgemeinderat bei der Orgelbaufirma Vleugels GmbH in Hardtheim eine neue Orgel für die Pfarrkirche St. Peter. Sie sollte die alte Orgel aus dem Jahre 1904 ersetzen, deren Instandsetzung nach einem Prüfbericht des Erzbischöflichen Orgelsachverständigen etwa die Hälfte einer Neuanschaffung gekostet hätte. Die 1975 gelieferte neue Orgel hat drei Werke; das Hauptwerk, das Brustwerk, welches durch Jalousien aus Plexiglas schwellbar gemacht ist und ein geteiltes Pedalwerk zu beiden Seiten. Für die Winderzeugung steht ein Elektrogebläse zur Verfügung, das in der Minute acht Kubikmeter Wind liefert. Die Mittel für das rund 83.000 DM teure Instrument wurden zu einem erheblichen Teil durch großzügige Spenden und Kollektengelder aufgebracht. Am 19. Oktober 1975 nahm Dekan Prof. Dr. Richard Hauser die Weihe der Orgel vor, auf der, nach einer Ansprache von Orgelbaumeister Vleugels, Prof. Dr. R. Walter aus Heidelberg ein Konzert gab.
Bis zum 30. April 1977 gehörte die Kirchengemeinde zum Dekanat Heidelberg. Nachdem dort ein reines Stadtdekanat errichtet wurde, erfolgte zum 1. Mai 1977 ihre Zuteilung zum Dekanat Wiesloch. Die Pfarreien Leimen, Gauangelloch, Nußloch, St. Ilgen und Sandhausen bilden innerhalb des Dekanats einen Pfarrverband zur engeren Zusammenarbeit. Der in diesem Jahr neu gewählte Pfarrgemeinderat amtierte wiederum unter dem seitherigen Vorsitzenden. In Colombo auf Sri Lanka konnte der zweite Missionspriester geweiht werden, für den die Pfarrei die Patenschaft übernommen hatte. Die dritte Patenschaft war noch nicht beendet. Ein einheimischer Theologe, dem eine Gauangellocher Familie das ganze Studium bezahlt hatte, konnte in Afrika zum Priester geweiht werden. Weiter hatte die Pfarrei für drei Priester im Osten das Studiengeld bereitgestellt.
Im Lauf des Jahres und wohl auch schon vorher waren Stimmen laut geworden, die den Bau eines Gemeindehauses in Gauangelloch verlangten. Vor allem der damalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderats stand dem wohl eher skeptisch gegenüber. Nach Informationsgesprächen mit den Pfarrern von Eppelheim und St. Ilgen, die bereits ein Gemeindehaus gebaut bzw. geplant hatten sowie einer überschlägigen Errechnung der voraussichtlich entstehenden Kosten, traf er in einem Bericht über die Pfarrversammlung am 12. März 1978 folgende Feststellung: „Diese Belastung will der jetzige Pfarrgemeinderat mit Mehrheit der Gemeinde weder in naher noch in ferner Zukunft zumuten. Auf jeden Fall wollen wir zunächst einmal das Spendenaufkommen für die Orgel und das Ergebnis des Basars im Herbst beobachten. Wenn beide eine Steigerung zeigen, kann immer noch der Gedanke an ein Gemeindehaus aufgegriffen werden."
Am 4. Und 5. November 1978 feierte die Kirchengemeinde das 75jährige Bestehen ihrer 1903 im Rohbau fertiggestellten Pfarrkirche St. Peter mit einem großen Gemeindefest und feierlichem Dankgottesdienst begehen. Im Dezember spendete Abt Laurentius Hoheisel OSB aus Bad Wimpfen 104 Mädchen und Jungen aus Gauangelloch, Gaiberg und Schatthausen das Sakrament der Firmung.
Das Bekanntwerden der bevorstehenden Abberufung von Pfarrer Köhler und die damit verbundene künftige personelle Zusammenlegung der Pfarreien Leimen und Gauangelloch in seelsorgerischer Hinsicht, sorgte in der Pfarrgemeinde Anfang 1979 für Erregung, Beklommenheit und Unverständnis. In einem gemeinsamen Schreiben vom 2. März 1979 an den Erzbischof offenbarten die Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte Gauangelloch, Gaiberg und Schatthausen ihre Bestürzung über diese, ohne jegliche Vorinformation getroffene Entscheidung [16].
Mit Wirkung vom 19. März 1979 wurde Pfarrer Urban Köhler nach Nußloch versetzt. Die seelsorgerische Betreuung der drei Kirchengemeinden Gauangelloch, Gaiberg und Schatthausen, welche zusammen die Pfarrgemeinde St. Peter Gauangelloch gebildet hatten, übernahmen ab 19. März die Pfarrer von Leimen, Bammental und Wiesloch-Baiertal. Hierüber unterrichtete der Erzbischof die Pfarrgemeinde mit Schreiben vom 15. März 1979 [17]. Die Pfarrgemeinde Gauangelloch blieb in kirchenrechtlicher Hinsicht jedoch als solche bestehen.
Bei der feierlichen Verabschiedung von Pfarrer Köhler Ende April 1979 im Bettendorf-Saal in Gauangelloch sprach Dekan Axtmann im Beisein einer großen Anzahl geladener Gäste von einer „unangenehmen Aufgabe, die Hiobsbotschaft der kurzfristigen Versetzung zu überbringen". Die Vorgänge lägen in einer pastoralen Notwendigkeit begründet, die bei einem zu erhoffenden Seelsorger-Nachwuchs eine erneute Selbständigkeit der Pfarrgemeinde Gauangelloch nicht ausschließe.
Trotz der umfangreichen Aufgaben, die es allein in der großen Pfarrei Leimen zu bewältigen galt, setzte der von Nußloch dorthin versetzte Pfarrer Herbert Blümle nach dem nahtlosen Übergang in der Betreuung der Pfarrgemeinde St. Peter von Anfang an auch hier sofort deutliche Zeichen persönlichen Engagements. Bereits in einer Sitzung des Pfarrverbandes am 13. März 1979 erklärte er, daß es dringend erforderlich sei, in Gauangelloch ein eigenes Begegnungszentrum zu schaffen und den Einzugsbereich dieses Zentrums auf den ganzen Pfarrverband auszudehnen. Sowohl Regionaldekan Velten als auch Dekan Axtmann bejahten die Notwendigkeit eines solchen Zentrums. In einer Sitzung des Pfarrgemeinderats am 19. Juni 1980, zu der bereits ein Plan des Erzbischöflichen Bauamts Heidelberg vorlag, teilte Regionaldekan Velten mit, daß Freiburg dem Grunde nach schon „grünes Licht" für den Bau gegeben habe. Zu Beginn des Jahres 1980 war durch das Erzbischöfliche Bauamt der Altar in der Pfarrkirche St. Peter weiter in den Chorraum versetzt worden. Ebenso fand ein neuer Tabernakel im neu gestalteten Chorraum seinen Platz. Am 19. Juni dieses Jahres, dem Tag des Kirchenpatroziniums, konnte Herr Heinrich Kast im Rahmen des Festgottesdienstes sein 50jähriges Mesnerjubiläum feiern. Bis zu diesem Zeitpunkt lag der Mesnerdienst in St. Peter bereits 77 Jahre lang in Händen der Familie Kast. Von 1903 bis 1925 hatte der Onkel es Jubilars und anschließend bis 1930 sein Bruder dieses Amt inne.
Neue Ansätze und ein Gemeindehaus
1981 wurde wiederum ein neuer Pfarrgemeinderat gewählt. Nachdem während der vorausgegangenen Legislaturperiode Herr Roman Zednicek den Vorsitz an Michael Vajda abgegeben hatte und dieser nicht mehr für den Pfarrgemeinderat kandidierte, fiel die Wahl in der konstituierenden Sitzung am 5. Mai 1981 auf Herrn Richard Eichstädter. In der gleichen Sitzung beauftragte der Pfarrgemeinderat seine weiblichen Mitglieder mit der Gründung einer Frauengemeinschaft, zu welchem Zweck alle katholischen Frauen zunächst zu einer Aussprache eingeladen werden sollten. Am Abend des 28. Mai, des Tages Christi Himmelfahrt, wurde die Frauengemeinschaft St. Peter gegründet und Frau Elisabeth Reiser zu ihrer Vorsitzenden gewählt. In einem am 30. November 1981 im Rahmen eines Empfangs im Anschluß an die Firmung in Leimen dem Erzbischof übergebenen Schreiben des Pfarrgemeinderats wurde dieser eindringlich gebeten, angesichts der seit der Versetzung von Pfarrer Köhler bestehenden Situation zu erwägen, ob nicht ein Diakon oder ein anderer hauptamtlicher kirchlicher Mitarbeiter mit pastoralen Aufgaben in der Gemeinde St. Peter betraut werden könnte. Die Notwendigkeit eines Gemeindezentrums wurde ebenfalls erwähnt [18]. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Richard Eichstädter hatte die Anliegen zuvor in einer Ansprache mündlich vorgetragen. In einem Antwortschreiben des Erzbischöflichen Ordinariats von Anfang März 1982 wurde sowohl die Bitte um Zuteilung eines hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeiters als auch um Finanzierung eines Pfarrzentrums abschlägig beschieden.
Am Himmelfahrtstag 1982 hatte die Pfarrgemeinde erstmals zu einem Waldgottesdienst auf dem Sportplatz des TSV Nordstern eingeladen. Etwa 500 Gläubige aus Gauangelloch, Leimen und der sonstigen näheren Umgebung sowie zahlreiche Wanderer wohnten dem Gottesdienst unter freiem Himmel bei. Der seit 1988 ökumenische Waldgottesdienst an gleicher Stelle und die anschließende Bewirtung ist inzwischen zu einer guten, von den Angehörigen beider Konfessionen geschätzten, Tradition geworden. Im Zeichen der Ökumene stehen auch die Schulgottesdienste zu Beginn jedes Schuljahres, der gemeinsame Beginn der Osternachtfeier vor dem Edith-Stein-Haus, die alljährlichen Weltgebetstage der Frauen, Zusammenkünfte beider Seniorengemeinschaften, sowie gemeinsame Sitzungen von Pfarrgemeinderat und evangelischem Kirchengemeinderat.
Für das künftige Gemeindehaus gingen die Planungen trotz der Absage aus Freiburg und der sich zunächst abzeichnenden Finanzierungsschwierigkeiten unbeirrt weiter. Nicht zuletzt dank der Tatkraft und dem unerschütterlichen Bemühen von Pfarrer Blümle war es am 22. Mai 1983 endlich so weit; der erste Spatenstich konnte gemeinsam von ihm, Oberbürgermeister Herbert Ehrbar und Ortsvorsteher Alois Lang vollzogen werden. In seiner Ansprache hob Pfarrer Blümle hervor, daß die Stadt Leimen mit der Überlassung des in ihrem Eigentum befindlichen Grundstücks großes Entgegenkommen gezeigt und die Realisierung des Bauvorhabens überhaupt erst ermöglicht habe.
Einem zügigen Verlauf der Bauarbeiten war es zu verdanken, daß bereits am 4. Dezember des gleichen Jahres Richtfest gefeiert und die obligate Erinnerungskassette mit aktuellem Inhalt eingemauert werden konnte [19]. Der besondere Dank des Pfarrers galt diesmal jenen Männern aus der Pfarrei, die an den zurückliegenden Wochenenden unentgeltlich auf dem Bau gearbeitet hatten und mit ihrem freiwilligen Einsatz bereits Arbeitsleistungen im Wert von rund 30.000 DM erbrachten. Hier muss besonders das Verdienst von Fritz Reiser gewürdigt werden, der durch sein Organisationstalent und sein Vorbild dafür sorgte, dass der außerordentlich hohe Anteil an Eigenleistung verwirklicht werden konnte.
Fünfzehn Monate später war das große Werk vollendet. Am 10. März 1985 weihte Dekan Berthold Enz das neue Haus, nachdem Architekt Karl-Heinz Becker den symbolischen Schlüssel an Pfarrer Herbert Blümle überreicht hatte, ein.
Mit dem in kompakter Bauweise errichteten Gebäudekomplex wurde bei geringstem Aufwand mit 375 qm Nutzfläche größtmöglicher Effekt erzielt. Ein Saal mit rund 150 Plätzen sowie zwei kleinere Räume für Pfarrgemeinderat, Ministranten, Jugend, Kirchenchor, Senioren, Bildungswerk, Frauengemeinschaft, Frauengymnastik usw. stehen zur Verfügung. Dank aktiver Mithilfe beim Bau wurden durch Gemeindemitglieder zur Finanzierung rund 200.000,-- DM erwirtschaftet; 70.000,-- DM brachte die relativ kleine Gemeinde durch Spenden auf. Im Oktober 1987 beschloss der Pfarrgemeinderat auf Vorschlag von Pfarrer Blümle, das Gemeindehaus „Edith-Stein-Haus" zu nennen.
Um Pfarrer Herbert Blümle zu entlasten, war ab 1983 für längere Zeit Pfarrer Bischera, ein in Heidelberg wohnhafter Geistlicher der mit Rom unierten koptisch-orthodoxen Kirche von Alexandrien (Ägypten), in Gauangelloch als Aushilfe tätig. Die oberen Räume des Pfarrhauses, in dem nur noch das Pfarrbüro untergebracht war, wurden in diesen Jahren über die Wochenenden an Jugendgruppen vermietet; ein Angebot, von dem vor allem KJG und verschiedene Schulklassen gerne Gebrauch machten.
Zur inzwischen notwendig gewordenen Innenrenovation der Pfarrkirche hatte das Erzbischöfliche Bauamt Heidelberg 1988 einen Stufenplan erstellt, der aus drei Bauabschnitten bestand. Mit deutlicher Unterstützung des Erzbischöflichen Ordinariats war es Ende des Jahres möglich geworden, den ersten Bauabschnitt in Angriff zu nehmen. Genehmigt wurde die Durchführung von Wärmeschutzmaßnahmen sowie der Einbau einer Vorverglasung mit Reparatur der vorhandenen Bleiverglasungen. Im Frühjahr 1991 fanden die Arbeiten mit einer Modernisierung der elektrischen Anlage, einem neuen Anstrich von Wänden und Decke und weiteren Erneuerungen ihren Abschluß. Die Gesamtkosten hatten rund 100.000,-- DM betragen. Zur Anschaffung neuer Lampen in der renovierten Kirche diente der Erlös des Patrozinumsfestes vom 23. Juni 1991. Am 5. Mai des Jahres konnte Herr Eugen Körper im Rahmen eines Stehempfangs nach dem Gottesdienst die Glückwünsche zu seinem 50jährigen Jubiläum als Organist in der Pfarrkirche St. Peter entgegennehmen.
Zur Unterstützung von Pfarrer Blümle wirkte von September 1993 bis zu Beginn der Sommerferien 1994 Klaus Tonka als Kaplan in Leimen und Gauangelloch. Mit seiner offenen Art und seinem etwas unorthodoxen Auftreten gewann er vor allem die junge Generation für sich. Ihm folgte Sebastian Marcolini im Amt.
Die Pfarrgemeinderatswahl am 26. März 1995 wurde infolge männlicher Zurückhaltung auf der Kandidatenliste nahezu zur reinen Frauensache. Die gewählten Mitglieder bestellten Frau Gertrud Williamson zur Vorsitzenden. In diesem Jahr erfolgte die Einführung des Familiengottesdienstes, der sich von Anfang an, vor allem wohl wegen der aktiven Teilnahme von Kindern der Grundschule unter Anleitung von Frau Dreher, eines überaus regen Besuchs erfreut. Zum Kirchenvolksbegehren wurde ein Informationsstand eingerichtet; die Unterschriftenaktion erbrachte 120 Unterschriften.
Zum Ende des Schuljahres 1997 verließ Kaplan Marcolini die Pfarrgemeinde. Am 27. Juli gestaltete er mit den Kommunionkindern den Gottesdienst und wurde von Pfarrer Herbert Blümle in diesem Rahmen verabschiedet.
Ebenfalls im Juli 1997 verabschiedete sich der Dirigent des Kirchenchors, Josef Klehr, nach 27 Jahren erfolgreicher Tätigkeit von den Sängerinnen und Sängern. Als Nachfolger konnte Herr Alexander Levental gewonnen werden.
Am 25. September 1997 verbreitete sich die Todesnachricht wie ein Lauffeuer in Leimen-Mitte und Gauangelloch: Pfarrer Herbert Blümle war nach kurzem Krankenhausaufenthalt im Alter von 65 Jahren unerwartet verstorben. Seit langem mit gesundheitlichen Problemen kämpfend, hatte er doch bis zuletzt unermüdlich und stets voller neuer Ideen in seinem Amt gewirkt. Der Verabschiedungsgottesdienst am 1. Oktober in Herz Jesu, Leimen, wurde zu einer ergreifenden Gedenkfeier, ebenso der Trauergottesdienst mit anschließender Beerdigung in seiner Heimatgemeinde Graben-Neudorf am 2. Oktober.
Dem Verstorbenen folge am 6.Oktober 1997 Pfarrverweser Johannes Balbach, der bis dahin in Tauberbischofsheim als Kaplan gewirkt hatte. Mit jugendlichem Elan machte er sich sogleich an die schwere neue Aufgabe und gewann schnell das volle Vertrauen der beiden Kirchengemeinden.
Mit einem unter dem Motto "Alt und Jung unter einem Dach" stehenden Festgottesdienst beging die Pfarrgemeinde am 28. Juni 1998 im Rahmen des Patroziniums den neunzigsten Jahrestag der Weihe ihrer Pfarrkirche St. Peter und das 85jährige Bestehen der Pfarrei. Nachdem der Umbau des Pfarrhauses weitgehend abgeschlossen war, konnten im Sommer 1998 zunächst die oberen Etagen von Familie Marciniak bezogen werden. Die im Erdgeschoss neu entstandene Gästewohnung ist seit Januar 1999 Domizil von Pater Anand Weis, mit dem Pfarrer Balbach im August 1998 einen Helfer erhielt, dem neben seiner ihn sehr beanspruchenden Hauptaufgabe als Betreuer der Schwestern von Mutter Theresa sowie von Obdachlosen und Suchtkranken in Mannheim auch die Abhaltung von Gottesdiensten in allen drei Pfarrgemeinden der im Oktober 1999 eingerichteten Seelsorgeeinheit Leimen-Gauangelloch-Nußloch obliegt. Die Pfarrgemeinde St. Peter ist für seinen Einsatz sehr dankbar. Mitte Dezember 1998 übernahm Frau Danuta Marciniak von Frau Cäcilia Eichstädter das Mesneramt in der Pfarrkirche St. Peter, das diese seit 1983 als Nachfolgerin ihres Vaters ausgeübt hatte. Damit endete nach 95 Jahren in Gauangelloch die Ära Kast in diesem wichtigen Bereich des Kirchendienstes.
Wer nach der 1979 erfolgten Abberufung von Pfarrer Urban Köhler gehofft hatte, dass weitere einschneidende Maßnahmen zum Nachteil der einzelnen Pfarrgemeinden nunmehr nicht mehr zu erwarten wären, vielmehr Gauangelloch in absehbarer Zeit eventuell sogar wieder einen eigenen Seelsorger erhalten könnte, musste zwanzig Jahre später eine erneute tiefgreifende Veränderung mit zunächst negativ erscheinenden Vorzeichen zur Kenntnis nehmen. Nachdem sich die Diskussionen über die mögliche Bildung sogenannter Seelsorgeeinheiten in der Erzdiözese Freiburg, mit denen man dem allgemeinen Priestermangel zu begegnen versucht, immer mehr verstärkten, und das Vorhaben schließlich mit der Veröffentlichung entsprechender Richtlinien Gestalt annahm, wurde endgültig klar, dass Pfarrer Johannes Balbach und mit ihm die Pfarrei St. Peter Gauangelloch mit zu den Betroffenen zählt. So stand die feierliche Investitur am 21. November 1999 in Herz Jesu Leimen, zu der sich auch bereits viele Angehörige der Pfarrgemeinde St. Laurentius Nußloch eingefunden hatten, mit im Zeichen der neuen Seelsorgeeinheit. Pfarrer Balbach, nunmehr für drei Pfarrgemeinden verantwortlich und damit weit mehr als voll ausgelastet, konnte sofort mit dem zunächst auf fünf Jahre begrenzten Experiment beginnen.
